Die deutsche Kriegsgräberstätte Viljandi (deutsch: Fellin) liegt südöstlich der Altstadt. Auf dem Friedhof sind Tote des Zweiten Weltkrieges begraben.
Friedhofsbeschreibung
Die Kriegsgräberstätte grenzt direkt an den Alten Friedhof ("Vana Kalmistu"). Eine niedrige Natursteinmauer umgibt die Anlage und trennt sie rückseitig vom Gelände des städtischen Friedhofes.
Sie erstreckt sich über drei große Terrassen. Ein Weg führt über drei Treppen hinauf zum Gedenkplatz mit steinernem Hochkreuz mit zweisprachiger Gedenkplatte. Hinter dem Hochkreuz halten Steintafeln Namen und Daten der Bestatteten in Erinnerung. Symbolkreuzgruppen aus Granit kennzeichnen die Gräberflächen, auf denen vereinzelt Bäume stehen.
Belegung
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. geht von ungefähr 35.000 deutschen Kriegstoten in Estland während des Zweiten Weltkriegs aus, bestattet an ursprünglich rund 1.700 Grablageorten. Hinzu kommen die Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft ihr Leben verloren. Das Deutsche Rote Kreuz schätzt ihre Zahl auf rund 10.000. Die Erfassung der Kriegsgefangenenfriedhöfe ist noch nicht abgeschlossen. Konkrete Angaben für deutsche Verluste in Estland während des Ersten Weltkrieges liegen dem Volksbund nicht vor.
Während des Zweiten Weltkrieges war das deutsche Kriegslazarett 1/615 in Fellin stationiert. Viele Verwundete wurden aus dem weiteren Umkreis zur ärztlichen Versorgung dorthin gebracht. Ende 1941/Anfang 1942 legte die Wehrmacht neben dem Alten Friedhof ein Gräberfeld für ihre Toten an.
Heute ist die Kriegsgräberstätte ein Zubettungsfriedhof für die Region Südestland. Dort ruhen inzwischen mehr als 950 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren.
Historie
Die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Estland schlossen am 12. Oktober 1995 ein Kriegsgräberabkommen, das am 26. Oktober 1996 in Kraft trat. Es garantiert den deutschen Toten das dauerhafte Ruherecht in Estland. Partner des Volksbundes war für lange Zeit das staatliche Denkmalschutzamt in Tallinn. Im August 2022 übernahm das estnische Verteidigungsministerium die Verantwortung. Es delegierte die Zuständigkeit im März 2023 an das "Estonian War Museum". Zum Kulturministerium sowie zu zahlreichen örtlichen Behörden und Institutionen bestehen enge Verbindungen.
1993, schon vor Abschluss des Kriegsgräberabkommens, setzte der Volksbund die Kriegsgräberstätte wieder instand. Die Einweihung fand noch im selben Jahr – am 3. September – statt. Vorgesehen war auch eine Erweiterungsfläche für Zubettungen. Die Pflege der Kriegsgräberstätte obliegt der Denkmalschutzverwaltung des Kreises Viljandi.
Besonderheit
Das Viljandi Muuseum" informiert über die Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Die Präsentation thematisiert auch die Kriegszeit. Das Museum ist in der Altstadt am Johan Laidoneri plats 10 im Gebäude einer ehemaligen Apotheke untergebracht.