Thiescourt

Frankreich
Gesamtbelegung: 1095
49°34'09"N; 2°53'08"E
Département Oise


1095 deutsche Kriegstote Erster Weltkrieg

Auf dem französischen Gräberfeld ruhen 1739 Gefallene.

Der deutsche Soldatenfriedhof Thiescourt wurde im Januar 1920 als gemeinsame deutsch-französische Kriegsgräberstätte von den französischen Militärbehörden angelegt. Die Örtlichkeit wurde gewählt, nachdem in diesem Gelände ein von der deutschen Truppe angelegtes Gemeinschaftsgrab mit 50 deutschen und französischen Gefallenen gefunden worden war. Aus zahlreichen provisorischen Grabstätten in 16 umliegenden Gemeindebezirken betteten die französischen Behörden weitere Tote zu. Ein kleiner Teil der hier Ruhenden verlor das Leben während der Kämpfe Mitte September 1914 zwischen Roye und Noyon. Ein weiterer Teil fiel oder starb an den Verwundungen in Folge der Kämpfe im Frühjahr 1915 sowie des Stellungskrieges 1915 - Anfang 1918. Der weitaus größte Teil der Toten fiel den Kämpfen des Jahres 1918 zum Opfer, insbesondere in der "Schlacht bei Noyon" im Juni und den Abwehrkämpfen an der Matz im August. Die Heimatgarnisonen der Gefallenen der Jahre 1914/1915 lagen zumeist in Schleswig-Holstein, in den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck, in Bayern, Ostpreußen, Brandenburg und Berlin Die Toten des Jahres 1918 entstammten Heimatgarnisonen in Schlesien, Pommern, Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen Thüringen, Württemberg und Bayern.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ab 1928 aufgrund einer 1926 mit den französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Seinerzeit wurden Bäume und Hecken gepflanzt, die Gräberflächen begrünt, ein neuer Eingang mit Steinpfeilern und geschmiedetem Tor geschaffen sowie das Gemeinschaftsgrab mit Naturstein eingefasst und in seiner Mitte ein Gedenkstein errichtet. Das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber blieb allerdings infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges ungelöst.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Nach einer grundlegenden landschaftsgestalterischen Überarbeitung des gesamten Friedhofsgeländes folgte ab 1976 der Austausch der bisherigen provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Naturstein mit eingraviertem Namen und Daten der hier Ruhenden. Gleichzeitig erfolgte als Zeichen der Versöhnung die Beseitigung der bisher das französische vom deutschen Gräberfeld trennenden Hecke. Von den 1 095 deutschen Gefallenen ruhen 707 in Einzelgräbern; vier blieben ohne Namen. In den beiden Gemeinschaftsgräbern mit 388 Opfern sind 90 namentlich bekannt.

Die 6 Gräber Gefallener jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt eines Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein, deren hebräische Schriftzeichen besagen:1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."2. (unten) "Möge seine Seele eingebunden sein in den Kreis der Lebenden."



Die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten in Nord-Pas-de-Calais Picardie, Amt für Kulturgüter und Architektur, Regionale Schutzstelle für Natur und historische Denkmäler hat im September 2016 die französische Nekropole sowie die deutsche Kriegsgräberstätte in THIESCOURT (Oise) in ihrer Vollständigkeit in die Liste der Historischen Denkmäler aufgenommen.

Pflege: Der Friedhof wird ständig durch den Pflegedienst des Volksbundes betreut.