Thanvillé

Frankreich
Gesamtbelegung: 645
48°19'29.29"N; 7°21'12.71"E
Département Bas-Rhin


607 deutsche Kriegstote
38 Kriegstote der k.u.k.
Österr. Ung. Armee

Der deutsche Soldatenfriedhof Thanvillé wurde im März 1921 von den französischen Militärbehörden angelegt. Auf ihm fanden deutsche Gefallene aus den ersten Grenzgefechten im August 1914 und den Stellungskämpfen von 1915-1918 ihre letzte Ruhestätte. Andere starben in den Lazaretten von Selestat (Schlettstadt) Chatenoi, Villé und Obernai und wurden bis 1924 nach hier umgebettet. Es handelt sich in der Mehrzahl um Angehörige bayerischer Truppenteile, aber auch solche hessischer Regimenter. Die ungarischen Toten gehörten der kgl. ungar. 37. Honved-Inf. Div. an, die auf Bitten der deutschen Obersten Heeresleitung von dem verbündeten Österreich-Ungarn zur Stützung der Westfront abgeordnet worden war. Sie traf zwischen dem 17. und 22. September 1918 - aus Rumänien kommend - mit rund 15 000 Mann im Raum Selestat/Schlettstadt ein. Ausbildung, Umrüstung und teilweise Umbewaffnung nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass die Division vor Kriegsende nicht mehr an der Front zum Einsatz kommen konnte. Einige Einheiten halfen in den Vogesenbergen beim Stellungsbau.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. auf Grund einer 1926 mit den französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung im Jahre 1928 aus. Bäume wurden gepflanzt, die Gräberfläche begrünt und das Gemeinschaftsgrab erhielt eine Einfassung aus Naturstein. Als zentrales Mal errichtete man ein Hochkreuz aus Eichenholz. Das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber blieb allerdings infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges ungelöst.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Vorher hatten jugendliche Helfer des Volksbundes bereits gärtnerische Vorarbeiten geleistet. 1980 wurden die bisherigen provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Metall mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden ausgetauscht. Junge Helfer des Volksbundes setzten für die Kreuze die 35 Kilogramm schweren Betonfundamente, deren Antransport die Bundeswehr übernommen hatte.

Von den 607 deutschen Kriegstoten ruhen 355 in Einzelgräbern. In einem Gemeinschaftsgrab mit 290 Toten blieben 74 Opfer unbekannt.

Die drei Gräber der Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen als Kennzeichnung statt eines Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:1. (oben) "Hier ruht begraben... ."2. (unten) "Möge seine Seele eingebunden sein in den Kreis der Lebenden."

Es folgte eine grundlegende landschaftsbauliche Überarbeitung der gesamten Anlage. Außerdem wurde die Natursteinmauer, die das Gemeinschaftsgrab umgibt, erneuert. Auf ihrem Rand sind die Tafeln mit den Namen der in diesem Grab ruhenden bekannten Toten angebracht. Das verfallene Hochkreuz wurde durch eines aus geschmiedetem Stahl ersetzt. Abschließend erhielt die Gräberfläche eine neue Begrünung.

Pflege:Der Friedhof wird ständig durch den Pflegedienst des Volksbundes betreut.