St.-Quentin

Frankreich
Gesamtbelegung: 8229
49°50'55." N; 3°15'44." E

Wegbeschreibung

St. Quentin befindet sich im Département Aisne. Der Friedhof liegt in der Nähe der N29 an der Rue de la Chaussée Romaine, 2 km westlich von der Stadtmitte.

Département Aisne
8229 deutsche Kriegstote Erster Weltkrieg


Auf dem nahe gelegenen französischen Soldatenfriedhof (a.d.N 29) ruhen 4784 französische und 119 alliierte Gefallene. Der deutsche Soldatenfriedhof St. Quentin wurde im Herbst 1914 von der deutschen Militärverwaltung eingerichtet, um einen Teil der Gefallenen der schweren Gefechte aufzunehmen, die vom 28. - 30. August 1914 in der Umgebung von St. Quentin stattfanden. Die Stadt wurde in dieser Zeit ein bedeutendes Nachschub- und Lazarettzentrum. Die ihren Verwundungen Erlegenen fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte ebenso wie gefallene und an Verwundungen gestorbene Gegner. Besonders groß war der Zustrom Schwerverwundeter während der Sommerschlacht von Juli bis November 1916. Im März 1917 wurde St. Quentin nach dem Rückzug der deutschen Truppen auf die sogenannte "Siegfried-Stellung" unmittelbares Frontgebiet.

War der Anteil der Jahre 1914 - 1917 an den Bestatteten relativ gering zu nennen, so steigerten sich die Verluste ganz bedeutend mit dem Beginn der deutschen Großoffensive im März 1918 und während des alliierten Gegenangriffs vom August - Oktober 1918, als St. Quentin erneut in die Frontlinie geriet, bis die Stadt Mitte Oktober von den Deutschen endgültig geräumt werden musste.

Unter diesen Kampfhandlungen hatte der Friedhof durch Granateinschläge sehr gelitten. U. a. wurde auch das 1915 in Anwesenheit des Kaisers eingeweihte Ehrenmal durch Granatsplitter erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Da während der Kämpfe des Jahres 1914 vor allem das preußische Gardekorps schwere Verluste erleiden musste - ein Teil der Toten ruht auch in St. Quentin - war das Interesse Kaiser Wilhelm II. geweckt und Prof. Wandschneider legte ihm Pläne für den Ausbau des Friedhofes vor. Der Kaiser stiftete einen erheblichen Betrag aus seiner Privatschatulle und ermöglichte den Guss der beiden Kriegerfiguren. Am 18. Oktober 1915 erfolgte die Einweihung in Anwesenheit des Kaisers und zahlreicher - auch französischer - Persönlichkeiten. Der Kaiser legte bei dieser Gelegenheit Kränze sowohl vor der deutschen wie der französischen Gedenktafel nieder. Zu diesem Zeitpunkt ruhten auf dem Friedhof 706 deutsche Tote, 191 französische Tote, darunter viele Marokkaner und 80 britische Offiziere.
Die Namen der deutschen und französischen Gefallenen waren auf den Gedenktafeln des Denkmals eingemeißelt.Nach Kriegsende erweiterten die französischen Militärbehörden den Friedhof durch Zubettungen deutscher Kriegstoter aus 98 umliegenden Gemeindebereichen in bis zu 35 Kilometer Entfernung.

Dadurch ruhen heute auf dem Friedhof deutsche Soldaten, deren Heimatgarnisonen in allen Ländern und Provinzen des damaligen deutschen Reiches lagen.
Gleichzeitig erfolgte die Umbettung der französischen und britischen Toten auf nahe gelegene nationale Friedhöfe.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Aufgrund einer 1926 getroffenen Vereinbarung mit den zuständigen französischen Militärbehörden konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. bereits 1928 mit ersten Instandsetzungsarbeiten beginnen. Mehr als 200 Bäume und eine Hecke als Einfriedigung wurden gepflanzt, die Gemeinschaftsgräber mit Natursteinmauerwerk eingefasst, ein neuer Eingang, zwei Eingangsgebäude sowie ein Hochkreuz errichtet und die gesamte Gräberfläche begrünt. Allerdings blieb das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges ungelöst.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Außer einer grundlegenden landschaftsgärtnerischen Überarbeitung, an der sich von 1963 bis 1973 freiwillige jugendliche Helfer aus Hamburg maßgeblich beteiligten (Ergänzung des Baubestandes, Begrünung der gesamten Friedhofsfläche und Setzen eines neuen Zaunes und neuer Heckenpflanzen), erfolgte ab 1971 der Austausch der bisherigen provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Metall mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden. Auch die 35 Kilogramm schweren Kreuzfundamente versetzten die jugendlichen Helfer an den Gräbern. Den Transport der Betonfundamente übernahm die Bundeswehr, die damit - ebenso wie die Jugendlichen - den Volksbund eindrucksvoll in der Erfüllung seiner Aufgaben unterstützte.

Von den 8 229 Gefallenen ruhen 6 294 in Einzelgräbern; sechs blieben ohne Namen. In zwei Gemeinschaftsgräbern mit 1 935 Opfern blieben 1 501 Tote unbekannt.

Die Gräber der 25 Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Stele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:
1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."2. (unten) "Möge seine Seele eingeflochten sein in den Kreis der Lebenden."

Pflege
Der Friedhof wird ständig durch den Pflegedienst des Volksbundes betreut.