Die deutsche Kriegsgräberstätte befindet sich auf dem Areal eines ehemaligen Friedhofs von Sovjetsk (deutsch: Tilsit). Tote beider Weltkriege aus vier Nationen sind hier bestattet.
Friedhofsbeschreibung
Die Anlage erstreckt sich über eine rund fünf Hektar große Fläche mit lichtem Nadelbaumbestand. Unmittelbar hinter dem Eingang, rechts und links des Hauptweges, stehen rund 20 Grabsteine ehemaliger Familiengräber aus der Zeit von 1909 bis 1944. Der Hauptweg führt zu einem Gedenkplatz mit einem Hochkreuz aus Granit und Tafel mit zweisprachiger Inschrift.
Das Gräberfeld der deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges liegt links des Hauptweges. Symbolkreuzgruppen lockern die Rasenfläche auf. Auf Granitstelen sind die Namen der dort Bestatteten zu lesen. Auf der Fläche daneben sind zivile Opfer begraben. An sie erinnert ein Gedenkstein. Weitere Gedenksteine kennzeichnen die Gemeinschaftsgräber der deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges.
Auch die Grablagen der russischen und rumänischen Soldaten des Ersten Weltkrieges rechts des Hauptweges sind mit Gedenksteinen und Namenstelen versehen.
Belegung
Auf dem Waldfriedhof ruhen deutsche, russische und rumänische Soldaten des Ersten Weltkrieges. Außerdem wurden deutsche und italienische Soldaten sowie zivile Opfer der Bombenangriffe 1943/1944 dort beigesetzt.
Historie
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das nördliche Ostpreußen sowjetisches Staatsgebiet. Die Friedhöfe von Tilsit wurden zerstört. Nur der Waldfriedhof blieb wegen der russischen Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg erhalten. Die deutschen Gräberfelder wurden jedoch 1945 eingeebnet.
Das Kriegsgräberabkommen zwischen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland wurde 1992 unterzeichnet und trat 1994 in Kraft. Vereinbarungen mit weiteren Staaten der ehemaligen Sowjetunion folgten. Schon 1990/1991 hatten Vertreter des Vereins "Stadtgemeinschaft Tilsit e. V." aus Kiel mit der Stadtverwaltung von Sovetsk vereinbart, eine gemeinsame Gedenkstätte für Kriegstote beider Länder auf dem Friedhofsgelände anzulegen. Sie traten in Kontakt mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. Er übernahm Planung und den größten Teil der Kosten.
Ab 1994 leisteten vor allem Reservisten der Bundeswehr und Jugendliche im Rahmen von Arbeitseinsätzen und deutsch-russischen Workcamps Aufbau- und Pflegearbeiten. Die Organisation von Bauarbeiten und Jugendbegegnungen lag in den Händen des Volksbund-Landesverbandes Rheinland-Pfalz.
2004 erhielt die Kriegsgräberstätte ein Hochkreuz. 2005 folgte – nach Sondierung auf einem Gelände außerhalb des Friedhofs – die Umbettung deutscher Kriegstoter auf den Friedhof. Er wurde der Öffentlichkeit am 30. Juni 2006 übergeben. Ansprech- und Vertragspartner für den Volksbund in der Russischen Föderation ist der Verband "Soldatengedenkstätten".
Besonderheit
Auf dem Waldfriedhof von Sovjetsk sind noch heute die Überreste eines Krematoriums zu sehen. Es wurde um 1912/1913 errichtet und war das erste in der Provinz Ostpreußen.