Die deutsche Kriegsgräberstätte mit Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges gehört zum Zentralfriedhof von Sofia. Er ist der größte der bulgarischen Hauptstadt und liegt im Stadtteil Orlandovtsi.
Friedhofsbeschreibung
Die deutsche Kriegsgräberstätte liegt in der Nähe des Eingangs an der Straßenbahnhaltestelle "KV. Orlandovtsi". Von dort erreicht man nach weniger als 100 Metern das deutsche Gräberfeld – direkt neben den Gräbern des Commonwealth.
Ein Weg teilt die Gräberfläche und führt zum Gedenkplatz, in dessen Zentrum ein Ehrenmal errichtet wurde: ein Gedenkstein mit steinernem Kreuz und der Inschrift "Dem Gedächtnis seiner gefallenen Söhne. Sie kämpften, sie starben, sie leben. Das dankbare deutsche Vaterland". Davor tragen Steinpodesten Metalltafeln mit Namen und Daten aller rund 1.400 deutschen Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges in Bulgarien ihr Leben verloren. Auf der Gräberfläche verteilt stehen Grabsteine mit davor liegenden Grabplatten.
Belegung
Im Zweiten Weltkrieg verloren schätzungsweise 1.800 deutsche Soldaten ihr Leben in Bulgarien, von mehr als 1.200 sind die Namen bekannt. Für den Ersten Weltkrieg gibt es keine gesicherten Angaben.
In sechs bulgarischen Kommunen gibt es deutsche Kriegsgräberstätten mit mehr als 50 Toten. Auf diesen Gräberstätten ruhen zwei Drittel aller ums Leben gekommenen Soldaten.
Auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Sofia sind mehr als 300 Kriegstote bestattet, etwa 250 verloren ihr Leben im Ersten, mehr als 60 im Zweiten Weltkrieg.
Historie
Zwischen Deutschland und Bulgarien existiert kein Kriegsgräberabkommen und es gab bisher auch keine Verhandlungen. 1979, im Rahmen eines Besuchs des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, stimmte der bulgarische Staatspräsident Gesprächen mit dem Volksbund über die Instandsetzung deutscher Kriegsgräber zu.
1987 überprüfte das Bulgarische Rote Kreuz Verlustmeldungen und Grablagehinweise des Volksbundes, 1988 genehmigte Bulgarien die ersten Arbeiten am deutschen Gräberfeld auf dem Zentralfriedhof in Sofia. Die dort im Ersten und im Zweiten Weltkrieg angelegten Einzelgräber sind heute nicht mehr sichtbar.
Ein wichtiger Aspekt der Verhandlungen des Volksbundes mit dem Bulgarischen Roten Kreuz war der deutsche Wunsch nach einer zentralen Ehrung aller im Zweiten Weltkrieg in Bulgarien ums Leben gekommenen deutschen Soldaten. Gedenkort sollte der noch erhaltene deutsche Militärfriedhof des Ersten Weltkrieges in Sofia sein. Im Sommer 1989 wurden dort schließlich die entsprechenden Metalltafeln angebracht. Den Friedhof betreut die Deutsche Botschaft in Sofia, die dort jedes Jahr am Volkstrauertag eine Gedenkstunde ausrichtet.
Besonderheit
Auf dem Zentralfriedhof Sofia gibt es Kriegsgräberstätten mehrerer Nationen. Dazu gehört ein gemeinsamer Friedhof für italienische und französische Tote des Ersten Weltkrieges, der nicht öffentlich zugänglich ist. Ferner gibt es öffentliche Ehrenfriedhöfe für serbische, rumänische und russische Kriegstote sowie ein Mausoleum für bulgarische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg.