Runkel

Deutschland
Gesamtbelegung: 232
50°23'57.9"N ; 8°09'51.9"E
Die Gräberstätte wurde 1968 eingeweiht. Hier sind 239 Tote bestattet, die zumeist im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen: Soldaten der Wehrmacht, Angehörige der SS und deutsche Zivilisten, polnische und sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeitskräfte und KZ-Häftlinge, außerdem mindestens elf Kinder von Zwangsarbeiterinnen. Auch einige Tote des Ersten Weltkriegs sind hier begraben.

Alle Toten wurden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in den 1960er Jahren nach Runkel umgebettet. Zuvor waren sie auf Friedhöfen der Region bestattet, meistens dort, wo sie ihr Leben verloren hatten. Die Bundesrepublik Deutschland garantiert allen Kriegstoten ewiges Ruherecht und Grabpflege aus öffentlichen Mitteln. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg schien dies für viele der verstreuten Kriegsgräber aber nicht mehr gesichert. Daher wurden Sammelfriedhöfe wie in Runkel angelegt. Für ihre Pflege sind die Gemeinden zuständig, auf deren Gebiet die Gräberstätten liegen.

Mit den Sammelfriedhöfen wurden spannungsgeladene Orte geschaffen. Die Toten auf ihnen haben ihr Leben zwar alle im Krieg, viele von ihnen aber als Opfer der NS-Herrschaft verloren - ein Unterschied zu klassischen Soldatenfriedhöfen. Wo SS-Männer neben KZ-Häftlingen begraben liegen, verliert der Satz, im Tode seien alle Menschen gleich, seine versöhnende Kraft. Der Volksbund in Hessen begreift Kriegsgräberstätten heute als Lernorte der historisch-politischen Bildung. Dieser Aufgabe stellt er sich unter anderem, indem er durch die Rekonstruktion exemplarischer Einzelschicksale Informationen zur Aufarbeitung des Geschehenen bereitstellt.

So sind in Runkel mehrere Tote einer "SS-Eisenbahnbaubrigade" bestattet, Häftlinge aus dem KZ Dachau sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in schwerster körperlicher Arbeit und unter ständiger Lebensgefahr von Bomben zerstörte Bahnstrecken instand setzen mussten. Ein Aufseher der Wachmannschaft, der SS-Mann Johann Penkowski, war für seine Brutalität besonders gefürchtet. Er starb im März 1945 bei einem Luftangriff. Als Kriegstoter fand er sein Grab zunächst auf dem Friedhof von Aumenau. Bei der Anlage der Gräberstätte wurde er nach Runkel umgebettet - zusammen mit Wera Schlonskaja, einer Zwangsarbeiterin der Baubrigade, die kurz nach ihrer Befreiung verstorben war. Beide sind in Grabreihe 10 bestatttet, nur durch ein Grab voneinander getrennt.
Im Forschungsprojekt zur Geschichte der hessischen Kriegsgräberstätten, das der Volksbund in Hessen 1999 ins Leben gerufen hat, wurden zunächst grundlegenden Informationen zur Kriegsgräberstätte auf einer Tafel dokumentiert, die 2004 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Ergänzende Fakten, die über den Text der Informationstafel hinausgingen, wurden 2012 in einem Faltblatt zusammengestellt. 2016 und 2017 wurden die bis dahin recherchierten Angaben überarbeitet. Wo dies nötig geworden war, wurden sie ergänzt und korrigiert. Außerdem wurden die Schicksale von neun Menschen - sieben Männer, eine Frau, ein Kind -, die exemplarisch für die in Runkel bestatteten Gruppen von Toten stehen, aus den verfügbaren Quellen rekonstruiert. Die Ergebnisse werden auf Tafeln an den jeweiligen Gräbern präsentiert. Zugleich wurde die Informationstafel von 2004 durch eine neue ersetzt, die den Charakter der Gräberstätte als Sammelfriedhof für unterschiedliche Gruppen von Toten und Lernort der historisch-politischen Bildung unterstreicht. Die große Informationstafel und die Einzelschicksalstafeln ergänzen sich gegenseitig.