Recogne-Bastogne

Nachdem die deutsche Offensive in der Weihnachtszeit 1944 vor Bastogne stecken geblieben war und die Amerikaner ihrerseits wieder die Initiative ergriffen hatten, begannen sie am 04. Februar 1945 mit der Anlage eines großen Sammelfriedhofes. Er vereinte eigene und deutsche Gefallene auf zwei getrennten Gräberfeldern auf einem Gelände westlich der Straße Bastogne-Noville. Insgesamt beerdigten sie hier 2700 US-Soldaten und über 3000 Angehörige der Wehrmacht, die teilweise in den Kämpfen um Bastogne, zum anderen Teil auf luxemburgischen Boden oder im deutschen Grenzland gefallen und von dem amerikanischen Gräberdienst hierher zurückgebracht worden waren.


Im Sommer 1948 wurden die amerikanischen Toten ausgebettet und nach Henri-Chapelle übergeführt, einem provisorischen Sammelfriedhof, der nunmehr zum endgültigen Ausbau als US-Militärfriedhof vorgesehen wurde. Bei Bastogne bleib das deutsche Gräberfeld zurück.

Inzwischen hatte der Amtliche Belgische Gräberdienst die Arbeit aufgenommen. Er begann mit der Auflösung deutscher Feldgräber, Einzelgräber auf Gemeindefriedhöfen und kleinerer Gräberanlagen, unter Überführung der Toten auf zwei Sammelfriedhöfe, die als endgültige deutsches Soldatenfriedhöfe des Zweiten Weltkrieges auf belgischem Boden bestimmt wurden: das deutsche Gräberfeld bei Bastogne und ein weiteres in Lommel, nördlich Leopoldsburg. Im Zuge dieser Zusammenbettungen wurden nach Bastogne 3300 Tote zugebettet, und zwar aus der belgischen Provinz Luxemburg, dem südlichen Teil der Provinz Lüttich und den Gebieten um Eupen-Maldemy und St. Vith. Dabei handelt es sich nicht nur um Tote aus dem Jahre 1944, sondern auch um solche, die 1940 gefallen oder während der Besatzungszeit verstorben waren.

Jetzt sind auf dem deutschen Soldatenfriedhof Recogne-Bastogne 6.807 Kriegstote bestattet. Im Jahre 1954 wurde zwischen der Regierung des Königreichs Belgien und der Bundesrepublik ein Kriegsgräberabkommen geschlossen, das die künftige Fürsorge für die Gräber auf belgischem Boden in deutsche Hand legte.


Nun konnte die Ausgestaltung durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beginnen. Für die Anlage des Walles und des Grabens, der von drei Seiten das Gräberfeld schützend umschließt, boten sich Jugendliche aus sechs verschiedenen Nationen zur freiwilligen Mitarbeit an. Unter Leitung des Kolpingwerkes und des CVJM wurde im Sommer 1956 ein internationales Jugendlager eingerichtet, das die freiwilligen Helfer zusammenfasste. Seine Teilnehmer haben nicht zuletzt auch wesentlich dazu beigetragen, die bösen Erinnerungen der einheimischen Bevölkerung an die Kriegszeit im Geiste der Versöhnung und Verständigung zu überwinden.

Die architektonische Ausgestaltung ist der Lage der Gräberstätten, die, von Feldern und Wiesen umschlossen, frei in der Landschaft liegt, angepasst. Lediglich an der Ostseite grenzt sie für eine kurze Strecke an den Zivilfriedhof des Dorfes Recogne, während an der Nordseite die in das Dorf selbst führende Straße vorbeiläuft. Entlang dieser Straße wurde eine niedrige Einfriedungsmauer aus rotem Eifelsandstein errichtet. Sie endet in einem Treppenaufgang, einem mit einem geschmiedeten Gitter geschlossenen Eingang, um dann bastionartig vorzuspringen. Aus dem Mauerwerk dieser Bastion erhebt sich eine Kapelle mit kräftigem, dennoch fein gegliedertem Turm. Als Baumaterial diente auch hier roter Sandstein, während die Dächer mit Mönch- und Nonne-Ziegeln abgedeckt sind.

Der Innenraum der Kapelle bildet einen überwölbten Weiheraum aus Schiefer-Schichtmauerwerk, dessen Wände durch zwei Reliefs (St. Michael mit der Waage und der Erzengel Gabriel mit dem Licht) aufgelockert sind, und dessen Mitte ein Pultstein aus dunklem Muschelkalk auf einem flach gelagerten, abgerundeten Sockel aus hellem Kalkstein steht. In einer kleinen Seitennische, deren Wände mit Platten aus hellem Kalkstein verkleidet sind, liegen die Verzeichnisse der Toten mit Angabe der Grablagen.

Im Unterbau der Kapelle, und nur seitlich von der Straße aus zugänglich, ist der Geräte- und Aufenthaltsraum für den Friedhofsverwalter untergebracht.

Zu den Kosten der Ausgestaltung hat nicht nur die Bundesregierung und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beigetragen, sondern auch die Belegschaft des Volkswagenwerkes, die alljährlich dem Volksbund für den Soldatenfriedhof Recogne-Bastogne einen ansehnlichen Betrag spendete und damit ein Beispiel gab, das besonders hervorgehoben zu werden verdient.

Der Blick schweift von dieser Gräberstätte weit in die bewegte Landschaft der Ardennen. Es ist eine Landschaft, die zum Herzen spricht und die unvergessen in der Erinnerung haften bleibt. Wir sollten sie nicht verlassen, ohne daran zu denken, dass sie Schauplatz einer der blutigsten Tragödien der Geschichte gewesen ist und dass der Krieg sie gerade in den Tagen verheerte, in denen das Weihnachtsevangelium verkündet wurde.