Padosero

Russland
In 1997 wurde der Kriegsgefangenenfriedhof in Padosero wiederhergestellt.
Auf dieser Anlage ruhen 144 Kriegsgefangene. Die Anlage ist 2.000 Quadratmeter groß und wird durch Betongrenzpfosten umgeben.

Die Gräber werden durch Symbolkreuzgruppen gekennzeichnet. Zentrales Mahnmal ist ein 4,5 m hohes Metallhochkreuz.

Hier ist auch die Gedenkaussage:

HIER RUHEN INTERNIERTE OPFER DES ZWEITEN WELTKRIEGES


"Sie sind auf keiner Karte verzeichnet, kein Weg führt dorthin. Fernab jeder Siedlung, versteckt in einem dichten Wald aus Kiefern, Birken und niedrigen Tannen, glänzen in der Sommersonne ein paar kleine, dunkle Kreuze aus Stein. Und etwas abseits davon ragt ein hohes Metallkreuz empor, an dessen Fuß in russischer und deutscher Sprache zu lesen ist: „Hier ruhen Kriegsgefangene – Opfer des Zweiten Weltkriegs“.

An der Stelle, an der heute die Kreuze aus dem Waldboden ragen, etwa auf halber Strecke zwischen Ladoga- und Onega-See, befand sich einst der Friedhof des Lagers Padosero, benannt nach der einige Kilometer entfernten Bahnstation. Es war ein Lager für deutsche Frauen, aber keineswegs „Kriegsgefangene“, sondern Zivilisten – beim Einmarsch der Roten Armee 1945 aus den Dörfern und Städten Ostpreußens verschleppt zur Zwangsarbeit in die Wälder Kareliens.

Im Lager von Padosero saßen im 1945 etwa eintausend deutsche Frauen, die jüngsten 14 Jahre alt, die ältesten 65. Sie mussten Bäume fällen, wobei sie nicht selten bis zum Oberkörper im Schnee standen. Sie wurden zur Arbeit in einem nahe gelegenen Kalksteinbruch eingesetzt, sie bauten und reparierten Waldwege, auf denen das Holz zur Bahnstation transportiert wurde. Sie fielen Hunger, Kälte, Krankheiten, unmenschlichen Arbeitsbedingungen zum Opfer – auf dem Lagerfriedhof von Padosero wurden, wie Jurij Dimitrijew herausfand, etwa 180 deutsche Frauen beerdigt. Doch bis zum Ende der Sowjetunion gab es von diesem Friedhof keine Spur mehr. Die wenigen Kreuze, die in die Lagerzeit errichtet werden durften, waren zerfallen, das Gelände von Gras, Gestrüpp und dichtem Wald überwuchert. Erst im Jahr 1998 wurde es in einer gemeinsamen Aktion der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“ und der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung freigelegt und zu einer symbolischen Gedenkstätte hergerichtet – für alle deutschen Zivilgefangenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Wäldern Kareliens ihr Leben ließen."

Quelle: Klaus Bednarz, Das Kreuz des Nordens: Reise durch Karelien, Rowohlt Verlag, Berlin, 2007