Neuville-St.Vaast

Département Pas-de-Calais 44888 deutsche Kriegstote Erster Weltkrieg

Der deutsche Soldatenfriedhof Neuville-St. Vaast (auch "La Maison Blanche" nach einem nahe gelegenen Bauernhof genannt) wurde von den französischen Militärbehörden in den Jahren 1919 bis 1923 als Sammelfriedhof für deutsche Kriegstote aus dem Raum nördlich und ostwärts Arras angelegt.Er ist der größte deutsche Soldatenfriedhof des Ersten Weltkrieges in Frankreich. Aus mehr als 110 Gemeinden im Département Calais erfolgte die Umbettung der bis dahin in Feldgräbern oder kleinen Kriegsgräberstätten provisorisch beigesetzten deutschen Toten. Groß war auch die Zahl der Gefallenen, deren sterblichen Überreste man bei der Aufräumung und Rekultivierung des ehemaligen Schlachtfeldes im Laufe der Jahre fand. Noch in der heutigen Zeit werden Tote bei Bauarbeiten geborgen - oftmals auch in größerer Zahl, wie beim Bau der Autobahn A 26 im Gebiet der Vimy-Höhe. Die Mehrzahl der aufgefundenen unbekannten Toten setzten die französischen Militärbehörden in einem großen Gemeinschaftsgrab auf dem zweiten großen deutschen Soldatenfriedhof im Gebiet von Arras "St. Laurent-Blangy", bei. Von einem der aufgelösten Friedhöfe in Boiry-Ste. Rictrude wurde das im Kriege von in der deutschen Truppe dienenden Bildhauern und Steinmetzen geschaffene Denkmal für die Gefallenen des Hannoverschen Inf.Reg.No.164 nach Neuville-St. Vaast gebracht und dort wieder aufgestellt. Die heute auf dem Friedhof ruhenden Angehörigen von mehr als 100 verschiedenen Infanteriedivisionen und Artillerieregimentern sowie zahlreichen anderen Einheiten, wie Pionieren, Fliegern, Minenwerfern usw. verloren ihr Leben bei den schweren Kämpfen um Artois und um die Lorettohöhe von August 1914 bis Ende 1915, um die Vimy-Höhe Ostern 1917 und im Herbst 1918 sowie durch den zwischen den Großkampftagen andauernden Stellungskrieg. Die beteiligten Truppenteile kamen aus allen Ländern und Provinzen des damaligen Deutschen Reiches.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Jahre 1928 aufgrund einer 1926 mit den zuständigen französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Durch die Kriegseinwirkungen - das Friedhofsgelände lag während des ganzen Krieges zwischen oder unmittelbar hinter den Stellungen - und die Einbettung der vielen Toten, war der Boden nahezu unfruchtbar geworden. Er bestand fast nur aus Kreide. Daher wurden zunächst zahlreiche Bäume gesetzt, die breiten Wege begrünt und die Gräberflächen mit Lavendel bepflanzt. Bald wurde der Zustand der provisorischen Holzkreuze bedenklich. Ab 1935 übernahm die Wehrmacht die Patenschaft und die Soldaten spendeten damals mehrere Millionen Reichsmark. Der Zustand des Friedhofes konnte jedoch kaum geändert werden, da Devisenmangel und der 1939 ausbrechende Zweite Weltkriege weitere Arbeiten verhinderte.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Mit einer französischen Sondergenehmigung hatten bereits in den Jahren 1959 - 1961 die Teilnehmer des internationalen Jugendlager des Volksbundes, die durch Niederschläge zwischen die Kreide in den Unterboden geschwemmten Reste des Mutterbodens in Handarbeit wieder an die Oberfläche gebracht und durch Raseneinsaat befestigt. Die Gemeinde Neuville-St. Vaast stiftete zum Abschluss dieser Arbeiten ein Holzkreuz mit der Inschrift "Paix aux Hommes de Bonne Volonté" (Den Menschen, die guten Willens sind). Es wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung auf dem Mittelweg etwa dort, wo sich das heutige Hochkreuz befindet, aufgestellt (Eine Nachbildung befindet sich an der Außenmauer des neuen Eingangsgebäudes). Ab 1974 begannen landschaftsbauliche Arbeiten, wie die Erneuerung und Ergänzung von Bäumen und Sträuchern. Parallel dazu versetzten Soldaten der Bundeswehr und Teilnehmer an Volksbund Jugendlagern in vierjährigem Einsatz annähernd 10 000 schwere Betonsockel, die für die neuen Kreuze gebraucht wurden. Den Transport der jeweils etwa 35 Kilogramm schweren Sockel zum Friedhof übernahm die Bundeswehr. Es folgte der Austausch der provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Metall mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden. Von den 36 848 Gefallenen in Einzelgräbern blieben 588 unbekannt. 8040 Gefallene ruhen im Gemeinschaftsgrab. Die 131 Gräber der Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."2. (unten) "Möge seine Seele eingeflochten sein in den Kreis der Lebenden."Das Gemeinschaftsgrab erhielt eine neue Einfassung aus Naturstein. 32 schwere Schieferkreuze kennzeichnen diesen 140 m langen Grabhügel. Die 842 Namen der hier bestatteten bekannten Gefallenen sind auf Metalltafeln festgehalten. Pioniere der Bundeswehr und der US-Streitkräfte in Deutschland schufen mit Unterstützung durch die französische Armee als äußere Umgrenzung des Friedhofes Wall und Graben sowie einen neuen Wirtschaftsweg für die Landwirte. Der neu gestaltete Eingangsbereich mit der zum Friedhof hin offenen Halle gewährt dem Besucher Schutz. Ein Steinblock mit einer Reliefdarstellung des Frontverlaufs der Jahre 1914 - 1918 schmückt den Raum. Das Relief bezeichnet auch 17 Friedhöfe anderer Nationen in nächster Umgebung mit mehr als 200 000 Toten: Engländer, Franzosen, Kanadier, Tschechen, Polen und andere. Am Rande des Friedhofes entstand eine Nebenstelle des Pflegedienstes des Volksbundes, von der aus die deutschen Friedhöfe im Raum Arras betreut werden. Unter großer Beteiligung von Vertretern des französischen Staates und der Armee sowie der Bevölkerung erfolgte am 13. November 1983 die Einweihung des Friedhofes.

Pflege:Der Friedhof wird ständig durch den Pflegedienst des Volksbundes betreut.

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