Morisel

Frankreich
Gesamtbelegung: 2640
49°46'05"N; 2°28'14"E
Auf dieser Kriegsgräberstätte ruhen 2.640 deutsche Kriegstote des I. Weltkrieges. 135 hiervon starben am 08.08.1918.

Département Somme

Die deutsche Frühjahrsoffensive 1918 hatte ihr Ziel, die Einnahme der Stadt Amiens, verfehlt. Stattdessen konterte die britische Armee am 8. August 1918 ihrerseits mit einem Großangriff. General Ludendorff sollte danach von einem "schwarzen Tag des deutschen Heeres" sprechen. Seine Truppen wurden zurückgedrängt, verloren allein an diesem einen Tag 27.000 Mann. Obwohl die Alliierten ihre Angriffe fünf Tage später einstellten, war die Schlacht bei Amiens für die Mittelmächte der Anfang vom Ende. Für ihre Gegner war es der Auftakt zur sogenannten Hunderttageoffensive, die schließlich mit dem Waffenstillstand am 11. November endete.

Der deutsche Soldatenfriedhof Morisel wurde 1920 von den französischen Militärbehörden als Sammelfriedhof für deutsche Kriegstote angelegt. Sie stammen aus 18 Gemeindebereichen und provisorischen Gräberstätten in einem Umkreis von ca. 15 km um Morisel. Mit wenigen Ausnahmen - Gefallene aus dem Sommer und Herbst 1914 - verloren nahezu alle auf dem Friedhof Bestatteten ihr Leben im Verlauf von Kampfhandlungen während des Jahres 1918: Bei der großen deutschen Offensive im März und April, infolge der verlustreichen Stellungskämpfe und der alliierten Gegenoffensiven im Sommer und Herbst. Die hier Ruhenden gehörten Truppenteilen an, deren Heimatgarnisonen in Brandenburg, Sachsen, Hessen, Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Württemberg, Bayern und im Rheinland lagen. Besonders hohe Verluste verzeichneten auch die Regimenter der preußischen Garde.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. aufgrund einer 1926 mit den zuständigen französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Allerdings blieb das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges zunächst noch ungelöst.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - mit der endgültigen Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe in Frankreich aus der Zeit des Ersten Weltkrieges beginnen. Ab 1964 hatten Teilnehmer an Jugendlagern des Volksbundes aus Nordrhein-Westfalen die Gräberfläche planiert, den Boden verbessert, den Friedhof neu begrünt und die Wege neu gestaltet. Ab 1969 erfolgte der Austausch der provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus belgischem Granit, in die Namen und Daten der hier Bestatteten eingefräst sind. Von den 2 640 Gefallenen ruhen 2 605 in Einzel- oder Gruppengräbern; acht blieben unbekannt.In einem Gemeinschaftsgrab mit 35 Opfern sind neun namentlich bekannt.

Die acht Gräber Gefallener jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Stele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."2. (unten) "Möge seine Seele eingeflochten sein in den Kreis der Lebenden."

Das Pflanzen junger Bäume und Büsche sowie die Einfassung des gesamten Friedhofgeländes mit Zaun und Hecke beendete die Renovierungsarbeiten. Ein geschmiedetes Hochkreuz aus Stahl bildet den Mittelpunkt der Anlage.

Pflege:Der Friedhof wird ständig durch den Pflegedienst des Volksbundes betreut.