Deutschland

Lich-Kloster Arnsburg

Auf der Gräberstätte aus den Jahren 1959/60 ruhen 453 Tote. Die meisten von ihnen kamen im oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ums Leben: sowjetische Kriegsgefangene, Gestapo- und KZ-Häftlinge, Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, Zwangsarbeitskräfte, Displaced Persons und deutsche Zivilisten, außerdem sieben Kinder von Zwangsarbeiterinnen. Auch 13 Tote des Ersten Weltkriegs sind hier begraben.

Die Toten wurden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in die Klosterruine Arnsburg umgebettet. Zuvor waren sie auf Friedhöfen der Region bestattet, meist an den Orten ihres Todes. Die Bundesrepublik Deutschland garantiert Kriegstoten ewiges Ruherecht und Grabpflege aus öffentlichen Mitteln. Schon bald nach 1945 schien dies für viele der verstreuten Kriegsgräber aber nicht mehr gesichert. Daher wurden Sammelfriedhöfe wie in Kloster Arnsburg angelegt. Für ihre Pflege sind die Kommunen zuständig, auf deren Gebiet die Gräberstätten liegen.

Geschaffen als Stätten der Trauer und Mahnung, sind die Sammelfriedhöfe zugleich Orte, an denen scharfe Gegensätze spürbar bleiben. Die dort bestatteten Toten haben ihr Leben zwar alle durch Kriege, viele aber auch als Opfer der NS-Herrschaft verloren. Wo SS-Männer neben KZ-Häftlingen begraben liegen, verliert der Satz, im Tod seien alle Menschen gleich, seine versöhnende Kraft.

So sind unter den Toten von Kloster Arnsburg 87 Frauen und Männer, die bei Hirzenhain im Vogelsberg von einem SS-Kommando erschossen wurden (Gräber 291-339, 347-384). Mit Ausnahme von Emilie Schmitz aus Luxemburg (Grab 320) können ihnen keine Namen mehr zugeordnet werden. Dies ist der Grund, warum sie nach der Umbettung als „unbekannte Kriegstote“ beigesetzt wurden. Dass sie Opfer eines NS-Verbrechens waren, ließ sich an ihren Gräbern nun nicht mehr erkennen. Der historische Belegungsplan auf einer Holztafel im Durchgang zur Kriegsgräberstätte dokumentiert diesen Zustand bis heute.

In den 1980er Jahren geriet der Umgang mit den Toten von Hirzenhain zunehmend in die Kritik. Ihr wahres Schicksal war verdrängt worden. Nach jahrelangen Protesten aus der Öffentlichkeit setzte sich im Volksbund die Einsicht durch, dass die irreführenden Grabtafeln ausgetauscht werden mussten. Seit 1996 wird auch in Kloster Arnsburg daran erinnert, wer die „unbekannten Kriegstoten“ tatsächlich waren: Gefangene des NS-Regimes, ermordet am 26. März 1945, vier Tage, bevor US-Truppen Hirzenhain erreichten. Ebenfalls seit 1996 sind zudem zwei Informationstafeln am Rand des Gräberfeldes dem Gedächtnis der Hirzenhainer Toten gewidmet. Sie erzählen die Geschichte des Verbrechens und dokumentieren eine Gefangenenliste, durch die von einem Teil der Opfer zumindest die Namen überliefert sind.

Kriegsgräberstätten heute

Mit wachsendem zeitlichen Abstand zu den Weltkriegen und der NS-Herrschaft nimmt die Notwendigkeit zu, Kriegsgräberstätten wie in Kloster Arnsburg zu erklären. Nachfolgenden Generationen muss vermittelt werden, warum sie angelegt wurden und welche Toten auf ihnen begraben sind. Kriegsgräberstätten können Lernorte der historisch-politischen Bildung sein, wenn sie dazu entwickelt werden.

Der hessische Landesverband im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nimmt diese Aufgabe wahr, indem er seit 1999 die Geschichte ausgewählter Kriegsgräberstätten in Hessen erforscht und die Ergebnisse öffentlich zugänglich macht. Die Kriegsgräberstätte Kloster Arnsburg war in den Jahren 2017 und 2018 Schwerpunktthema im Forschungsprojekt. Seit 2019 sind die Ergebnisse auf einer Informationstafel in der Durchfahrt zur Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich. Eine ausführliche Dokumentation der Ergebnisse finden Sie auf der Internetseite des Volksbundes in Hessen.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!