Lassigny

Frankreich
Gesamtbelegung: 1777
49°35'9"N; 2°51'1"E
Département Oise
1.777 deutsche Kriegstote

Erster Weltkrieg



Der deutsche Soldatenfriedhof Lassigny wurde im Jahre 1919 von den französischen Militärbehörden zunächst als deutsch-französischer Gemeinschaftsfriedhof angelegt. Ausgangspunkt war ein während der Kämpfe im Frühsommer 1918 angelegtes Gemeinschaftsgrab, in dem 55 unbekannte französische Gefallene beerdigt worden waren. 1922 nahmen die französischen Militärbehörden die Ausbettung der französischen Toten und deren Überführung auf einen eigenen Friedhof vor. Die frei gewordenen Gräberfelder wurden mit deutschen Gefallenen, die aus 27 Gemeindebereichen und aus einer Entfernung von bis zu 18 Kilometer hierher umgebettet worden waren, neu belegt. Mehr als 400 der hier Ruhenden verloren ihr Leben bei den Überflügelungskämpfen - dem sogenannten "Wettlauf zum Meer" - zwischen Noyon und Roye im September 1914, den wechselseitigen Angriffen im Winterhalbjahr 1914/15 und dem Stellungskrieg bis zum deutschen Rückzug auf die "Siegfried-Stellung" im März 1917. Der weitaus größte Teil der Toten fiel oder starb an Verwundungen während der Schlachten und Gefechte im Jahre 1918, insbesondere der "Schlacht bei Noyon" im Juni und den schweren Abwehrkämpfen im August und September 1918. Das ganze Ausmaß des Geschehens wird erkennbar, wenn man erfährt, dass die hier beigesetzten Soldaten 131 Inf.- und Res.Inf.Regt., 14 Garderegt., 45 Art.- und Res.Art.Regt. sowie 165 Pinoierbataillonen und vielen weiteren kleineren Einheiten angehörten. Die Toten der ersten Kriegsjahre gehörten zu Truppenteilen, deren Heimatstandorte in Westpreußen, Pommern, Schleswig-Holstein, Sachsen, Thüringen sowie den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck lagen oder gehörten der preußischen Garde an. Die Toten des Jahres 1918 gehörten wiederum der Garde an oder hatten ihre Heimatstandorte in Ost- und Westpreußen, Posen, Schlesien, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Thüringen, Württemberg, Bayern und den Hansestädten.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Jahre 1929 auf Grund einer 1926 mit den zuständigen französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Es folgte eine Bepflanzung mit Bäumen und Büschen sowie die Einfriedung mit einer Hecke. Das Gemeinschaftsgrab erhielt eine Einfassung aus Naturstein. Allerdings blieb das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges ungelöst.

Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Außer einer grundlegenden landschaftsgärtnerischen Überarbeitung wurden ein neuer Zugang geschaffen und ein monolithischer Gedenkstein aufgestellt. Im Jahre 1977 erfolgte der Austausch der bisherigen provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Metall mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden. Die 35 Kilogramm schweren Kreuzfundamente versetzten freiwillige Helfer eines Jugendlagers des Volksbundes an den Gräbern. Den Transport der Fundamente übernahm die Bundeswehr und leistete damit, ebenso wie die Jugendlichen, eine bedeutende Unterstützung der Arbeit des Volksbundes.
Von den 1.777 Gefallenen ruhen 1.097 in Einzelgräbern; sechs blieben ohne Namen.In den zwei Gemeinschaftsgräbern mit 680 Opfern blieben 467 unbekannt.

Das Grab eines Gefallenen jüdischen Glaubens erhielt aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Stele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:
1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."
2. (unten) "Möge seine Seele eingeflochten sein in den Kreis der Lebenden."




Pate dieses Friedhofes ist der Volksbund, Landesverband Bremen