Deutschland
Frankfurt am Main, Hauptfriedhof
Gesamtbelegung: 6.700 Tote
Gesamtbelegung: 6.700 Tote
Adresse
Eckenheimer Landstraße 194
60320 Frankfurt/Main, Eckenheimer Landstr. 194
Deutschland
Die großen Gräberfelder für die Toten der Weltkriege entstanden jeweils in den Kriegsjahren 1914–1918 und 1939–1945. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielten sie in späteren Umgestaltungen durch die Stadt Frankfurt am Main, an denen nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Bundesrepublik Deutschland, das Land Hessen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. beteiligt waren.
Der Frankfurter Hauptfriedhof ist in Gewanne unterteilt. Im westlichen Teil des Gewanns VII sind über 1.600 Tote des Ersten Weltkriegs bestattet. Die meisten von ihnen waren deutsche Soldaten, die verwundet in Frankfurter Lazarette eingeliefert wurden und dort verstarben. Andere wurden von ihren Sterbeorten an den Fronten zur Beisetzung auf den Hauptfriedhof überführt. Auch Lazarett-Krankenschwestern und Opfer erster Luftangriffe auf Frankfurt sind hier begraben, außerdem 50 Kriegsgefangene aus Serbien, Rumänien und Russland. Weitere 50 Kriegsgräber des Ersten Weltkriegs und ein Gefallenendenkmal von 1925 befinden sich auf dem jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße im Süden des Hauptfriedhofs.
Den Mittelpunkt der Kriegsgräberfelder auf dem Hauptfriedhof bildet der Rundbau des Ehrenmals. Es wurde 1928 nach einem Entwurf des Architekten Hermann Senf von der Stadt Frankfurt zum Gedenken an ihre Toten des Ersten Weltkriegs errichtet. Die Skulptur des „Liegenden Kriegers“ im Innern des Bauwerks stammt vom Bildhauer Paul Seiler. Seit einer Umgestaltung im Jahr 1957 ist das Ehrenmal auch der Erinnerung an die Toten des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Damals wurden die Inschriften auf der Fassade und das Eiserne Kreuz über dem Eingang hinzugefügt.
Den östlichen Teil des Gewanns VII nehmen Gräberfelder für mehr als 3.000 Tote des Zweiten Weltkriegs ein, weit überwiegend zivile Frankfurter Luftkriegsopfer sowie rund 400 Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS. Die Gräber von Soldaten, die nach Todesurteilen der Wehrmachtsjustiz in der Haftanstalt Frankfurt-Preungesheim hingerichtet worden waren, wurden erst 1964 hierhin verlegt. Die Kriegsgräber in diesem Teil des Gewanns VII sind mit rötlichen Grabkennzeichen in wechselnden Formen markiert, im Gegensatz zu den einheitlich grauen Kreuzen für die Toten des Ersten Weltkriegs.
Vom Vorplatz des Ehrenmals führt ein Weg in südlicher Richtung zur Skulptur des „Hiob“. Die Bronzeplastik von Gerhard Marcks steht am Übergang zum 1959 eingeweihten Gräberfeld für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Liegende, stehende und an einer Mauer angebrachte Sandsteintafeln markieren die Grabstätten für fast 1.400 Tote, deren sterbliche Überreste auf Beschluss des Frankfurter Magistrats aus früheren Grablagen hierhin umgebettet wurden: Häftlinge in Konzentrationslagern und Gefängnissen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, sowjetische Kriegsgefangene und „Displaced Persons“, außerdem über 300 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, die ermordet wurden, weil ihr Leben in der Ideologie der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“ für „lebensunwert“ erklärt wurde.
Im Gewann E, abseits der zentralen Kriegsgräberstätte, wurde durch Umbettungen in den Jahren 1948 und 1958 ein Gemeinschaftsgrab für KZ-Häftlinge geschaffen. Es birgt 528 Urnen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die sterblichen Überreste von ebenso vielen Toten enthalten. Diesen lässt sich jedoch nur in 517 Fällen ein Name zuordnen. Fast alle Toten waren Polen. Von der Leitung der Frankfurter Adlerwerke wurde 1944 ihr Arbeitseinsatz in der Rüstungsproduktion beim SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt
angefordert. Untergebracht im Lager „Katzbach“, einem Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof auf dem Werksgelände, starben sie zwischen Oktober 1944 und März 1945 an
den mörderischen Haft- und Arbeitsbedingungen, denen sie in den Adlerwerken ausgesetzt waren, als Opfer von Hinrichtungen oder bei Luftangriffen, da sie die vorhandenen, vergleichsweise sicheren Schutzräume nicht aufsuchen durften.
Ebenfalls außerhalb der zentralen Kriegsgräberfelder befindet sich im Gewann X eine Grabanlage für über 120 weitere polnische Tote, vor allem Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg oder als „Displaced Persons“ in den Nachkriegsjahren in Frankfurt verstarben.
Mit wachsendem zeitlichen Abstand zu den Weltkriegen und der NS-Herrschaft nimmt die Notwendigkeit zu, Kriegsgräberstätten wie auf dem Frankfurter Hauptfriedhof zu erklären. Nachfolgenden Generationen muss vermittelt werden, warum sie angelegt wurden und welche Toten auf ihnen begraben sind. Kriegsgräberstätten können Lernorte der historisch-politischen Bildung sein, wenn sie dazu entwickelt werden.
Der hessische Landesverband im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nimmt diese Aufgabe wahr, indem er seit 1999 die Geschichte ausgewählter Kriegsgräberstätten in Hessen erforscht und die Ergebnisse öffentlich zugänglich macht. Die Kriegsgräber des Frankfurter Hauptfriedhofes waren in den Jahren 2018 und 2019 Schwerpunktthema im Forschungsprojekt. Seit 2021 sind die Ergebnisse auf einer Informationstafel im Gewann VII öffentlich zugänglich. Eine ausführliche Dokumentation der Ergebnisse finden Sie auf der Internetseite des Volksbundes in Hessen.