Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Deutschland
Gesamtbelegung: 6582
50°8'8.94"N; 8°41'4.90"E
Im Frankfurter Stadtgebiet sind auf 20 Friedhöfen über 10.000 Tote der beiden Weltkriege bestattet. Die größten Kriegsgräberstätten liegen auf dem Hauptfriedhof und dem Waldfriedhof Oberrad. Einige Gräberfelder („Gewanne“) auf dem Hauptfriedhof wurden schon während der Kriege angelegt und später von der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit Bund und Land sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gestaltet. Ein weiteres Feld mit 50 Kriegsgräbern befindet sich auf dem im Süden des Hauptfriedhofs gelegenen jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
In den Frankfurter Kriegsgräbern ruhen Männer, Frauen und Kinder aus Deutschland und vielen anderen Nationen. Den Mittelpunkt der Kriegsgräberstätte auf dem Hauptfriedhof bildet das Kriegsopfer-Ehrenmal von 1928. Rund 1.600 deutsche Soldaten und 50 osteuropäische Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs sind im vorderen Teil des Gewanns VII begraben. Die meisten dieser Toten waren krank oder verwundet in Frankfurter Lazarette eingeliefert worden, deren Kapazität sich bis 1918 auf rund 7.700 Betten steigerte. Andere Tote wurden von ihren Sterbeorten an den Kriegsfronten zur Bestattung auf den Hauptfriedhof überführt.
Im hinteren Teil des Gewanns VII wurden über 3.000 zivile Bombenopfer und deutsche Militärangehörige des Zweiten Weltkriegs beigesetzt. Von den 406 toten deutschen Soldaten waren 18 nachweislich Mitglieder der SS. Die Gräber in diesem Teil des Friedhofs sind mit rötlichen Kreuzen gekennzeichnet, im Gegensatz zu den grauen Grabkreuzen für die Toten des Ersten Weltkriegs.
Rechts von der Informationstafel am Kriegsopfer-Ehrenmal führt ein Weg zum Gräberfeld für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es wurde auf Beschluss der Stadt Frankfurt angelegt und 1959 eingeweiht. Hier sind heute die sterblichen Überreste von über 800 ausländischen Zwangsarbeitskräften und Kriegsgefangenen bestattet, außerdem Urnen mit den Namen von mehr als 500 deutschen Opfern des NS-Terrors. Ein Großteil von ihnen waren Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, die unter dem Vorwand der „Euthanasie“ („gutes Sterben“) ermordet wurden, weil ihr Leben als „lebensunwert“ galt.
Abseits der zentralen Kriegsgräberstätte befindet sich im Gewann E das Gemeinschaftsgrab von 528 KZ-Häftlingen vor allem aus Polen, die zwischen August 1944 und März 1945 in einem Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof in den Frankfurter Adlerwerken Zwangsarbeit leisten mussten. In einer Grabanlage im Gewann X sind 113 ebenfalls überwiegend polnische Tote bestattet, die im Zweiten Weltkrieg oder als „Displaced Persons“ in den Nachkriegsjahren in Frankfurt verstarben.
Der Volksbund in Hessen begreift Kriegsgräberstätten heute vor allem auch als Lernorte der historisch-politischen Bildung. Der Aufgabe, das Geschehene aufzuarbeiten, stellt er sich unter anderem, indem er in seinem Forschungsprojekt zur Geschichte der hessischen Kriegsgräberstätten exemplarische Schicksale von Kriegstoten rekonstruiert und sie öffentlich zugänglich macht.

Erste Forschungsergebnisse zum Frankfurter Hauptfriedhof wurden im Jahr 2005 auf einer Tafel am Vorplatz des Kriegsopfer-Ehrenmals dokumentiert. In den Jahren 2018 und 2019 wurden neue Informationen zusammengetragen, die über den Text der Tafel hinausgehen. Außerdem wurden 30 exemplarische Einzelschicksale von Kriegstoten aus den Quellen rekonstruiert. Darunter sind auch die Lebensgeschichten von zwei jungen Frankfurtern, die als Soldaten des Ersten Weltkriegs auf der Kriegsgräberstätte des jüdischen Friedhofs Rat-Beil-Straße bestattet sind.

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