Costermano

Aktuelles
Wegen der stark gestiegenen Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus hat der Volksbund, gemäß Weisung der italienischen Behörden, seine Friedhöfe in Italien bis auf Weiteres geschlossen.
Italien
Gesamtbelegung: 21990
45°34'57.81"N; 10°44'40.71"E

Wegbeschreibung

- In Garda, von Norden kommend, die 4. Straße links (kleiner "angedeuteter Kreisverkehr"),- von Süden kommend nach der Esso-Tankstelle in Garda 2. Straße rechts), - dann immer geradeaus bis zum Ende der Serpentinenstrecke, - dort beginnt der Ort Costermano. Nach wenigen hundert Metern befindet sich rechts ein Parkplatz vom Supermarkt "Boni". 1. Straße rechts nach dem Supermarkt steht das Hinweisschild: "Kriegsgäberstätte" (ca. 0,2 Km). Die Adresse des Friedhofs lautet: Deutscher Soldatenfriedhof Costermano, Via Baesse 12, 37010 Costermano/ITALIEN

Auf einem schmalen Bergrücken südlich des Ortes Costermano liegt der deutsche Soldatenfriedhof. Nach dem Gardasee zu fällt das Gelände steil ab und verläuft im Osten in flachen Terrassen hangabwärts. Der mit alten Zypressen bestandene Gipfel des Bergrückens gewährt einen weiten Blick über die Landschaft: Alpengipfel im Norden, zypressenumsäumte Weinhügel im Osten und Süden, der Gardasee im Westen.

Durch die offene Halle des Eingangsgebäudes und ein großes bronzegeschmiedetes Gittertor kommt der Besucher über eine breite Treppe auf eine kleine Terrasse. Von hier überblickt er den größten Teil des Friedhofes. Auf den drei terrassenförmig angelegten Gräberfeldern, die mit Purpurheide bepflanzt sind, ist die Lage der einzelnen Gräber durch steinerne Platten gekennzeichnet. Sie tragen die Namen von jeweils zwei Toten.

Über eine im Hang verlegte Freitreppe führt der Weg zum Kameradengrab auf die Höhe der oberen Gräberfelder. Hier befindet sich das zentrale Mal, ein Gebäude mit einem Raum über der Gruft jener Soldaten, die der Tod untrennbar miteinander verbunden hat. Vor dem Kameradengrab kniet ein Jüngling, eine Bronzefigur von großer Ausdruckskraft (erschaffen von Prof. Hans Wimmer).

Auf halbem Wege zu der auf der Höhe gelegenen Fläche steht ein kleines Bauwerk, das bei kirchlichen Feiern als Sakristei dienen kann. An der überdachten Vorderseite ist eine Landkarte aus Keramik von Oberitalien angebracht, die aussagt, in welchen Provinzen die hier ruhenden Toten ursprünglich bestattet waren. Auf dem höchsten Punkt des Friedhofes - weithin sichtbar - stehen ein acht Meter hohes Stahlkreuz und ein Steinaltar.

Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Costermano ruhen 21.990 deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges. Der deutsche Soldatenfriedhof wurde am 06.05.1967 eingeweiht. Aufgrund der 40-jährigen Wiederkehr der Einweihung fand am 05. Mai 2007 eine Gedenkfeier auf dem Friedhof statt.

Text im Eingangsbereich des Soldatenfriedhofs in Costermano zum historischen Grundverständnis des Krieges in Italien 1943-1945

Als das Deutsche Reich am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselte, zählte das Königreich Italien zu seinen wichtigsten Verbündeten. Die beiden Staaten waren einander durch den „Stahlpakt“ vom Mai 1939 verbunden, und Italien trat im Juni 1940 an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen Frankreich und Großbritannien ein. Den beiden Achsenmächten gelang es jedoch nicht, ihre Kriegsanstrengungen zu koordinieren, da sowohl das nationalsozialistische Deutschland als auch das faschistische Italien primär ihre eigenen strategischen Ziele verfolgten. Nach den Niederlagen der italienischen Streitkräfte auf dem Balkan und in Nordafrika 1940/41 verlor Italien in der faschistischen Kriegsallianz sowohl militärisch wie auch politisch zusehends an Gewicht und damit auch an Handlungsspielraum. In Rom konnte man die Entscheidungen, die in Berlin getroffen wurden, daher immer weniger beeinflussen, und Italien geriet politisch, wirtschaftlich und militärisch zunehmend in die Abhängigkeit vom Deutschen Reich.

Nachdem im Mai 1943 eine deutsch-italienische Heeresgruppe in Tunesien kapituliert hatte, bereiteten die Alliierten den Sturm auf die „Festung Europa“ vor, und am 10. Juli 1943 landeten amerikanische und britische Truppen an der Küste Siziliens. Die Niederlagen an allen Fronten, Luftangriffe auf italienische Großstädte und die sich verschärfende Versorgungskrise ließen die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung wachsen und höhlten die faschistische Diktatur aus. Nach einer Abstimmungsniederlage im Faschistischen Großrat wurde Benito Mussolini am 25. Juli 1943 von König Viktor Emanuel III. als Ministerpräsident abgesetzt und verhaftet; das faschistische Regime brach daraufhin zusammen.

Die neue Regierung unter Marschall Pietro Badoglio erklärte zunächst, an der Seite Deutschlands weiterkämpfen zu wollen, bemühte sich jedoch zugleich um einen Waffenstillstand mit den Alliierten, der am 8. September 1943 in Kraft trat. Damit war die seit 1936 bestehende „Achse“ Berlin-Rom zerbrochen, und am 13. Oktober 1943 erklärte das Königreich Italien dem Deutschen Reich den Krieg. Die deutsche Führung, die den Kriegsaustritt des Königreichs als „Verrat“ betrachtete, war von dieser Entwicklung nicht überrascht und hatte militärische Gegenmaßnahmen vorbereitet. Die Apennin-Halbinsel und die von Italien kontrollierten Gebiete in Südfrankreich und auf dem Balkan wurden von deutschen Truppen besetzt. Der Wehrmacht gelang es vielfach, die italienischen Verbände zur Aufgabe zu bewegen oder zu entwaffnen. Wo Widerstand geleistet wurde, reagierten die deutschen Streitkräfte gemäß den drakonischen Befehlen ihrer Führungsstäbe mit brutaler, ja verbrecherischer Härte. Historiker gehen davon aus, daß im Zuge der Entwaffnung und Besetzung mehrere tausend italienische Soldaten umgebracht wurden – die meisten auf der griechischen Insel Kefalonia. Etwa 650.000 Angehörige der italienischen Streitkräfte fielen in deutsche Hände.

Trotz des raschen Vordringens der alliierten Truppen in Süditalien im September und Oktober 1943 gelang es der deutschen Wehrmacht, sich vergleichsweise lange zu behaupten. Zwischen November 1943 und Mai 1944 hielten die deutschen Truppen eine Linie, die in etwa zwischen Minturno am Tyrrhenischen und Pescara am Adriatischen Meer verlief. Nach dem Durchbruch der Alliierten bei Monte Cassino und der Befreiung Roms am 4. Juni 1944 zogen sich die deutschen Verbände auf die Linie Pisa – Rimini zurück und verteidigten sich bis zum Frühjahr 1945 im nördlichen Apennin und in der Emilia-Romagna.

Die Kämpfe der deutschen Streitkräfte gegen die britisch-amerikanische 15. Armeegruppe waren Teil eines weit komplexeren Kriegsgeschehens, denn seit September 1943 überlagerten sich in Italien drei militärische Konflikte: die Kämpfe zwischen den Deutschen und den Alliierten, die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Besatzungstruppen und der italienischen Resistenza, einer Aufstands- und Befreiungsbewegung aller antifaschistischen Gruppierungen, die hinter der Front einen Guerillakrieg führte, und schließlich die Kämpfe zwischen den Anhängern und Gegnern Mussolinis auf italienischer Seite, die phasenweise Züge eines Bürgerkriegs annahmen.

Die politische und militärische Führung des Deutschen Reiches gestand der Resistenza keinerlei Widerstandsrecht zu und stigmatisierte ihre Kämpfer wie in der Sowjetunion, in Frankreich oder auf dem Balkan als „Banditen“, denen der Status von Kombattanten und damit jeglicher Schutz des Kriegsvölkerrechts verweigert wurde. Der Krieg gegen die italienischen Partisanen wurde nach denselben menschenverachtenden Grundsätzen geführt, die auf dem sowjetischen Kriegsschauplatz Anwendung gefunden hatten. Dabei war der Führung der deutschen Besatzungstruppen so gut wie jedes Mittel recht, um ihre Gegner auszuschalten, und da sie die Partisanen nur selten stellen konnten, wurde die „Bandenbekämpfung“ auf all jene ausgedehnt, die die Resistenza direkt oder indirekt zu unterstützen schienen. Damit geriet potentiell auch die gesamte Zivilbevölkerung unter Verdacht – Frauen und Kinder eingeschlossen. Welche Folgen dies hatte, zeigte sich in erbarmungslosen Aktionen, denen – so schätzt man – zwischen 1943 und 1945 mindestens 9000 Zivilpersonen zum Opfer fielen. Die Kriegsverbrechen in den Ortschaften Marzabotto und Sant’Anna di Stazzema stehen stellvertretend für diese Brutalisierung der Kriegführung, die von Verbänden der Wehrmacht ebenso getragen wurde wie von Divisionen der Waffen-SS und die in Italien bis heute unvergessen ist.

Der Krieg in Italien trat im April 1945 in seine letzte Phase, als britische und amerikanische Truppen eine Großoffensive eröffneten, der die deutschen Streitkräfte nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Zudem löste die Resistenza in den besetzten Gebieten Norditaliens einen allgemeinen Aufstand aus, der am 25. April zur Befreiung Mailands und wenige Tage später zur Befreiung Turins führte. Benito Mussolini wurde auf der Flucht von italienischen Partisanen gefangen genommen und am 28. April erschossen. Zu dieser Zeit verhandelten deutsche und alliierte Offiziere bereits über eine Kapitulation der deutschen Verbände in Italien, die am 2. Mai 1945 in Kraft trat. Bis dahin hatten die Kämpfe in Italien mehr als 100.000 deutsche Soldaten ihr Leben gekostet, die heute zumeist auf großen Soldatenfriedhöfen wie Monte Cassino, Pomezia, Futa-Pass oder Costermano begraben liegen. Diese Friedhöfe wurden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag des Deutschen Bundestags und der Bundesregierung in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts angelegt, wie es das deutsch-italienische Kriegsgräberabkommen von 1955 vorsah. In Costermano liegen die in Norditalien Gefallenen oder auf andere Weise durch Kriegshandlungen Umgekommenen.

Auch wenn seit der Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 mehr als sechzig Jahre vergangen sind, hat man die Ereignisse auf dem italienischen Kriegschauplatz noch nicht umfassend erforscht. Es ist nicht auszuschließen, das unter den hier 22.000 begrabenen Soldaten auch solche sind, die an Kriegsverbrechen in Italien beteiligt waren. Gegenwärtig weiß man jedoch, dass einige SS-Funktionäre, die hier begraben liegen, aktiv und verantwortlich an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Polen und in Italien mitgewirkt haben – allen voran Christian Wirth als Inspekteur der Vernichtungslager. Diese Männer waren abkommandiert worden, um die Verfolgung von Juden und Partisanen im Nordosten Italiens und in Istrien in die Wege zu leiten.

Die hier liegenden Toten mahnen uns zu Frieden und Versöhnung. Auch die Schuldigen, die hier begraben sind, mögen ihre letzte Ruhe finden, obwohl sie unaussprechliches Leid über viele Menschen und ihre Familien gebracht haben. Ihre Verbrechen sind uns jedoch zugleich Aufforderung, aus der Geschichte zu lernen und auch unter schwierigen Umständen stets für die Achtung der Menschenrechte und -würde einzutreten.

Informationstext im Eingangsbereich des Soldatenfriedhofs in Costermano

Auf diesem Friedhof ruhen mehr als 20 000 Soldaten und andere Kriegstote. Ihre Gräber erinnern die Lebenden an das Leid des Krieges. Ihr Sterben mahnt uns, den Frieden zu bewahren.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat diese Anlage zwischen 1955 und 1967 errichtet und pflegt die Gräber. Er handelt im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland. Die Gräber sind nach geltendem Völkerrecht und dem darauf basierenden deutsch-italienischen Gräberabkommen auf Dauer zu erhalten.

Auf diesem Friedhof liegen auch, wie nach Fertigstellung der Anlage festgestellt worden ist, die Gebeine von Personen, die für Kriegsverbrechen wie der systematischen Vernichtung von Juden im besetzten Polen führend verantwortlich waren. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass hier auch solche Personen beigesetzt wurden, die in Italien an Kriegsverbrechen, wie der Ermordung von unschuldigen Zivilisten beteiligt waren. Ihre Verbrechen sind uns eine ständige Mahnung.

HINWEIS FÜR PERSONEN MIT BEHINDERUNG:

Der kostenlose Zugang zu dem WC für Behinderte ist nur mit einem Euro-Schlüssel möglich.

Der Euroschlüssel ist ein 1986 vom CBF Darmstadt – Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e. V. – eingeführtes, inzwischen europaweit einheitliches Schließsystem, das es körperlich beeinträchtigten Menschen ermöglicht, mit einem Einheitsschlüssel selbständig und kostenlos Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen zu erhalten.

Informationen zu dem Erwerb des Schlüssels erhalten Sie hier:

CBF-Darmstadt e.V.
Pallaswiesenstr. 123a
64293 Darmstadt
Mo-Fr 9-12 & 13-16:30
Tel 06151 - 81 22 0