Consenvoye

Frankreich
Gesamtbelegung: 11148
49°16'47.67''N; 5°17'41.61''E
Département Meuse


Insgesamt ruhen hier 11.148 Kriegstote des Ersten Weltkrieges. Davon 11.085 Deutsche, 1 russischer Kriegstoter und 62 Gefallene der k.u.k. Österr.-Ung. Armee.


Der deutsche Soldatenfriedhof Consenvoye wurde 1920 von den französischen Militärbehörden als Sammelfriedhof angelegt. Hierher wurden deutsche Tote umgebettet, die in einem breiten Sektor zwischen Verdun und Henay links und rechts der Maas während der ersten Kämpfe im August 1914, während des Stellungskrieges zwischen den Großkampftagen und während der Schlachten um Verdun im Jahre 1916, im Sommer 1917 und im September/Oktober 1918 in provisorischen Grabstätten beigesetzt worden waren. Weitere Tote folgten, die bei den Rekultivierungsarbeiten auf dem Schlachtfeld gefunden wurden. Diese Arbeiten erstreckten sich fast bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Auf dem Friedhof ruhen heute Tote, deren Truppenteilen in fast allen Ländern und Provinzen des damaligen Deutschen Reiches stationiert waren. Die Gefallenen der Österr.-Ung. Armee gehörten vier k.u.k. Divisionen an, die ab Sommer 1918 zur Unterstützung des Verbündeten an die Westfront entsandt worden waren und die noch in die Kämpfe eingriffen, bis der Waffenstillstand am 11. November 1918 den Krieg beendete. Mehrere k.u.k. Artillerieregimenter waren im Westen bereits seit Februar 1918 im Einsatz.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen

Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. aufgrund einer 1926 mit den französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Bereits im Winter 1927-1928 erfolgten umfangreiche Baumpflanzungen ungeachtet der immer noch stattfindenden Einbettungen von weiteren Toten. Ein weiterer Ausbau scheiterte an der Devisenknappheit und infolge des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges. Nach dem Frankreichfeldzug im Mai/Juni 1940 und der anschließenden deutschen Besetzung weiter Teile Frankreichs, bettete 1943 der "Amtliche Deutsche Gräberdienst" weitere 6.000 deutsche Tote aus Friedhöfen im Maastal und aus nahezu unerreichbaren Regimentsfriedhöfen, die inmitten des Argonner Waldes lagen, nach Consenvoye um. Der Volksbund nahm gleichzeitig die Ausbauarbeiten erneut auf und ließ einen Eingang mit Stützmauer entlang der ganzen Straßenfront aus Vogesensandstein errichten. Auf den Gräberreihen kamen monolithische Kreuzgruppen zur Aufstellung, während die Gräber durch kleine Eichenpflöcke mit Kupferabdeckung gekennzeichnet wurden. Die alliierte Landung und Rückeroberung Frankreichs beendete auch diese Arbeiten, bevor sie vollendet werden konnten.

Endgültige Gestaltung

Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Jugendliche freiwillige Helfer hatten bereits mit landschaftsbaulichen Vorarbeiten begonnen, in deren Verlauf u.a. Baugruben aus den Jahren 1943/44 verfüllt und Wildwuchs beseitigt wurde. Anschließend erfolgte die Begrünung des Gräberfeldes. 1978 erhielten die Gräber als Kennzeichnung Metallkreuze mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden anstelle der bisherigen provisorischen Grabkreuzzeichen aus Holz. Zuvor hatten jugendliche Helfer die zugehörigen 35 Kilogramm schweren Kreuzfundamente, deren Antransport die Bundeswehr übernahm, versetzt. Die Namen und Daten der in den Gemeinschaftsgräbern ruhenden bekannten Toten wurden auf gegossenen Metalltafeln festgehalten. Bei Gruppengräbern, in denen mehrere Tote in einem Grab ruhen, sind die Namen in Steinplatten, die ebenerdig vor den Kreuzen verlegt worden sind, eingraviert. Von den 11.146 Gefallenen ruhen 8.609 in Einzel- und Gruppengräbern; 78 blieben namenlos.

In den zwei Gemeinschaftsgräbern mit 2.537 Opfern sind 1.501 namentlich bekannt. Die 23 Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen als Kennzeichnung statt eines Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein, deren hebräische Schriftzeichen besagen:

1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."

2. (unten) "Möge seine Seele eingebunden sein in den Kreis der Lebenden."

Außerdem erfolgten umfangreiche Pflanzarbeiten insbesondere auch in dem Bereich hinter dem oberen Gemeinschaftsgrab, das eine Einfassung aus Naturstein erhielt. Monolithische Kreuzgruppen, die früher verteilt auf dem Gräberfeld standen, betonen heute das Bild des Gemeinschaftsgrabes. Am 22. September 1984 legte im Rahmen der Versöhnungsfeier zwischen Deutschen und Franzosen erstmals nach dem Ersten Weltkrieg der französische Staatspräsident Francois Mitterand, gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl, einen Kranz zum Gedenken an die deutschen Kriegstoten auf dem Friedhof Consenvoye nieder. An dieses Ereignis erinnert eine Tafel am oberen Gemeinschaftsgrab mit der Inschrift:


"Auf diesem Soldatenfriedhof trafen sich am 22. September 1984 zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Völker der französische Staatspräsident und der deutsche Bundeskanzler. Sie legten im gemeinsamen Gedenken an die Toten beider Weltkriege Kränze nieder und erklärten: Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden."



Fotos: Robert Lestrade

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