Annoeullin

Frankreich
Gesamtbelegung: 1627
50°31'25.15"N; 2°56'36.04"E
Département Nord


Insgesamt 1627 Kriegstote, davon 1619 Deutsche, 7 Russen sowie 1 Brite.

Erster Weltkrieg
Der deutsche Soldatenfriedhof Annoeullin wurde von der deutschen Truppe im Oktober 1915 während der schweren Kämpfe westlich der Ortschaft im Frontabschnitt zwischen Armentières und Lens angelegt. Bis Oktober 1918 bestattete die Truppe hier ihre Gefallenen vornehmlich aus der Zeit der britischen Großangriffe im Frühjahr und Herbst 1917 sowie der deutschen Angriffe im Frühjahr 1918 und der nachfolgenden Abwehrkämpfe. Die Toten gehörten Truppenteilen an, die ihre Heimatgarnisonen in Bayern, Württemberg, Baden, Westfalen, Oldenburg, Hannover, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Schlesien und im Rheinland hatten.
Für die Gefallenen der 2.Garde-Res.-Division schufen zur Truppe gehörende Bildhauer und Steinmetze ein Denkmal.
Auf dem Friedhof fand auch einer der erfolgreichsten Jagdflieger des ersten Weltkrieges, der britische Fliegerhauptmann Albert Ball, seine letzte Ruhestätte. Ball hatte seit seinem ersten Einsatz im Februar 1916 bis zu seinem Absturz am 7. Mai 1917 bereits 44 Luftsiege errungen und war Träger höchster alliierter Auszeichnungen sowie Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Nottingham. Sein Bezwinger im Luftkampf war wahrscheinlich Lothar von Richthofen, der jüngere Bruder des berühmtesten deutschen Fliegers, Manfred von Richthofen. Am 9. Mai 1917 wurde Ball mit allen militärischen Ehren, die ihm die deutsche Truppe erwies, beigesetzt. Auf ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern ist nach dem Kriege das Grab auf dem deutschen Soldatenfriedhof verblieben - gekennzeichnet durch einen besonderen Gedenkstein.
Im Jahre 1921 haben die französischen Militärbehörden den Friedhof durch Zubettung weiterer deutscher Gefallener aus den Bereichen umliegender Gemeinden vergrößert.

Instandsetzungsarbeiten zwischen den Kriegen
Erste Arbeiten zur Verbesserung des Zustandes des Friedhofes führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Jahre 1929 auf Grund einer 1926 mit den zuständigen französischen Militärbehörden getroffenen Vereinbarung aus. Allerdings blieb das Problem einer dauerhaften Kennzeichnung der Gräber infolge Devisenmangels und des 1939 ausbrechenden Zweiten Weltkrieges zunächst ungelöst.
Endgültige Gestaltung
Nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom 19. Juli 1966 konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - finanziell unterstützt von der Bundesregierung - die endgültige Gestaltung der deutschen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkrieges in Frankreich vornehmen. Außer einer grundlegenden landschaftsgärtnerischen Überarbeitung der gesamten Anlage und der Errichtung eines neuen Einganges mit Flügelmauern erfolgte 1980 der Austausch der bisherigen provisorischen Holzgrabzeichen gegen Kreuze aus Metall mit eingegossenen Namen und Daten der hier Ruhenden.
Die Bundeswehr unterstützte den Volksbund u.a. durch den Antransport der für das Aufstellen der Metallkreuze erforderlichen 35 Kilogramm schweren Betonfundamente.
Von den 1 627 Gefallenen ruhen 1 593 in Einzelgräbern. Von ihnen blieben elf unbekannt. In den drei Gemeinschaftsgräbern ruhen 34 Gefallene; einer blieb ohne Namen.
Die beiden Gräber der Gefallenen jüdischen Glaubens erhielten aus religiösen Gründen statt des Kreuzes eine Grabstele aus Naturstein. Die hebräischen Schriftzeichen besagen:
1. (oben) "Hier ruht begraben ... ."
2. (unten) "Möge seine Seele eingeflochten sein in den Kreis der Lebenden."